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Briefzeit 2012

Wie doch die Zeit vergeht werden manche denken, andere finden, sie vergeht nur sehr langsam oder für andere ist die Zeit einfach stehengelieben.
Es ist 2012, wieder hat ein neues Jahr begonnen und es wächst unaufhaltsam an Tagen.
Wie komme ich auf wachsen und das gerade im Winter?
Die Natur, so scheint es, hat das Wachstum in dieser Zeit nahezu eingestellt.
Und doch sagt ein altes Sprichwort „Es wächst viel Korn in einer Winternacht“.
Wie die Natur so braucht auch unser Leben, Zeit zum Atemschöpfen, Kräfte sammeln, zum Ausruhen und Warten.
In einem Samenkorn sind alle Anlagen der künftigen Pflanze enthalten: der Keim und die Blätter, die Blüte und die Frucht. Vielleicht werde ich mir auch in dieser Zeit meiner Anlagen bewusst und bedenke, was ich in diesem neuen Jahr mehr entfalten möchte.
Ich überlege vielleicht, wo und wie es in meinem Wachstum der „Winterzeit“ bedarf.
Habe ich Zeiten der Regeneration, der Besinnung, des Atemholens, der Vergewisserung?
Plane ich für das neue Jahr schon solche Zeiten ein?
Wir als verwaiste Eltern und trauernde Geschwister wissen, dass auch in diesem Jahr wieder viele Tage auf uns zu kommen, die uns dieses neue Leben nach dem Tod unseres Kindes oder Geschwisters sehr schwer machen.
Wir wachsen an uns und mit uns selbst, sagte mir einmal ein Teilnehmer eines Trauerseminars.
Vieles liegt auch an der Einstellung des Einzelnen und seiner psychischen Verbundenheit sagte er weiter.
Aber ich denke wenn jemand eine schwere Zeit durchlebt, dann ist das seine Wirklichkeit.
Dann hilft es wenig, ihn auf sich selbst, seine Psyche und seine Einstellung zu sich und der Welt zu verweisen.
Gerade bei uns Trauernden gibt es spezielle Formen der Sehnsucht und der Einsamkeit.
Wir verwaiste Eltern und Geschwister empfinden den Verlust unseres Kindes, des Bruders oder der Schwester sogar noch nach Jahren unverändert stark und leiden so unendlich sehr darunter.
Selbst viele in der Familie, Freunde und Bekannte können das nach einiger Zeit nicht mehr nach vollziehen.
Ich finde es deshalb so wichtig, dass es solche Angebote wie die Selbsthilfegruppen der verwaisten Eltern und trauernde Geschwister gibt.
Damit Betroffene zusammen kommen und sprechen können.
Aus dem Austausch und den gemeinsamen Unternehmungen sind viele Freundschaften entstanden.
Aber machen wir uns nichts vor, das ist natürlich der Idealfall.
Denn diese Trauernden, und das ist die Voraussetzung, öffneten sich für Andere, verschlossen sich nicht in Verlassenheit und Hoffnungslosigkeit.
Das aktive Wollen des Einzelnen scheint der Schlüssel zu sein.
Für uns Betroffene bedeutet dies auch „Überlebenskunst“.
Ich weiß aus eigener Erfahrung es ist nicht immer einfach, selbst aktiv zu werden und schon gar nicht an unserem diesen so schmerzlichen Erlebnissen zu wachsen.
Aber es ist gut zu wissen, man ist nicht allein und jeder von uns kann dem anderen beistehen und beim Wachsen helfen.
Das haben auch im Dezember die Gedenkfeiern für unsere verstorbenen Kinder und Geschwister gezeigt.
In diesem Jahr haben wir außer unseren Gruppentreffen, wieder einige Aktivitäten geplant.
Wie zum Beispiel am 12 Mai, nun schon unser vierter Frühlingsbrunch in Ernsee.

Ich wünsche Ihnen beständiges Wachsen und einen guten Weg durchs neue Jahr
Holger Günther (Regionalstelle Verwaiste Eltern Ostthüringen)

 

Gedenkfeier "Kraft aus meinen Wurzeln" 2011,
in der Kapelle des Altenburger Magdalenenstiftes

Für unsere Gedenkfeier haben wir uns dieses Jahr das Thema  „Kraft aus meinen Wurzeln“ erwählt. Kraft und Wurzel, zwei Substantive die für uns all das Ausdrücken können, dass man auch als Überlebenskunst zusammen fassen kann.
Diese Kraft die aus unseren eigenen Wurzeln kommt und ohne die ein Weiterleben nach dem Tod eines Kindes, einer Schwester, eines Bruders, eines Enkelkindes viel schwerer möglich wäre.
Ein Baum mit seiner Wurzel ist für die Menschen aller Völker unserer Erde ein Symbol für das Leben.
Wir erfreuen uns an Wachstum und Kraft, an Blüten und Früchten.
Verwaiste Eltern und Geschwister fragen sich, wie wohl ihre Wurzeln aussehen.
Fragen sich, kann ich schon sicher in mir und zu mir stehen – oder werde ich beim ersten Windstoß umgeweht?
Hier in der Gedenkfeier konnten viele ihren Wurzeln nachspüren, spüren wie tief sie sich eingegraben haben und welche Kraft sie geben um durchs Leben zu kommen, spüren, dass wir vielleicht größer und wuchtiger werden als wir waren.
Begeben wir uns doch weiter auf die suche nach unseren neuen und alten Wurzel und pflegen sie, damit sie nicht dürr werden und abbrechen.
Doch bitte geben wir ihnen auch den Boden und die Zeit die sie zum wachsen brauchen.   



Besucher der Gedenkfeier befestigen Blätter mit den Namen ihrer Kinder an der Wurzel.


Verwaiste Eltern im Gespräch.


Blätter mit den Namen der Kinder









Gedenkfeier "Regenbogen Brücke in die Ewigkeit" 2011
in der Salvatorkirche Gera

Wir schenken Euch einen Regenbogen, einen der bleibt,
                                              sichtbar dem Wissenden:

Eine Brücke aus  Licht
                             über die Höhen und Tiefen der Zeit-

Leuchtend wie eine Idee,
                                                       stark wie die Liebe!

Wir schenken Euch einen Regenbogen,
                                                         der Hoffnung gibt,

uns Brücken schlägt,
                                             der uns auf seinen Farben

durch den grauen Alltag trägt!


Mit diesem Gedicht begann unsere diesjährige Gedenkfeier in Gera.

Oft rühren tragische Ereignisse an den essentiellen Dinge des Seins.
Ein solch erschütterndes Ereignis ist sicherlich der Tod eines Kindes.

Unweigerlich fängt man an zu fragen, was ist das, das da zwischen Himmel und Erde geschieht, gibt es da noch etwas geistlich göttliches das uns Trost und die Hoffnung auf ein Wiedersehen vermittelt?

Und wie weit reicht unsere Vorstellungskraft vom heute und hier bis in die unendliche Ewigkeit?

Auch das Thema unserer diesjährigen Gedenkfeier spiegelt diese spirituelle Vorstellung wieder. 

Wir haben uns dieses Jahr für den „Regenbogen“ Brücke in die Ewigkeit entschieden.

Für verwaiste Eltern und trauernde Geschwister hat der Regenbogen eine weit aus größere Bedeutung als uns Meteorologen und Wissenschaftler erklären können.

Für viele Betroffene Eltern und Geschwister bedeutet ein Regenbogen oft die Brücke in die Ewigkeit zu unseren vorausgegangenen Kindern und Geschwister.

Und wir Betroffene wissen, wenn wir mit wachen Augen durch diese Welt gehen sehen wir viele Zeichen und ein Leuchten am Horizont das vielen verborgen bleibt.
 
Wenn wir große Reisen planen, tun wir das gründlich.
Wir beschäftigen uns mit dem Zielort, den Gegebenheiten dort und planen den Reiseweg.
Die Reise in die Ewigkeit steht jedem von uns bevor und es wird die größte Reise sein die wir je machen werden.

Seien Sie behütet auf all ihren Wegen,
immer unseren vorausgegangenen Kindern entgegen!







Auch in diesem Jahr ehellten viele Kerzen,
die wir für unsere Kinder entzündeten, die Welt.


Zum 2. Tag des Friedhofes waren auch dieses Jahr die Gruppen
der Verwaisten Eltern und Geschwister Ostthüringen vertreten.



Vom Bestattungshaus Pechstein
erhielten die Gruppen der Verwaisten Eltern und Geschwister Ostthüringen
eine Spende von 300,00 Euro.
Vielen Dank!










Dritter Frühlingsbrunch der Verwaisten Eltern und Geschwister Ostthüringen  

Frühlingsbrunch im Juni das klingt sicherlich etwas wunderlich, fast so wie Ostern im Winter.
Aber uns war es dieses Jahr durch die Ausrichtung der Jahrestagung und der Gestaltung des Gottesdienstes für Verwaiste Eltern und Geschwister zum Kirchentag in Dresden organisatorisch einfach nicht eher möglich.
Und so konnten wir unseren traditionellen Frühlingsbrunch erst im Juni begehen.
Wie im letzten Jahr, haben wir uns auch dieses Mal liebe Gäste eingeladen.
Wir waren sehr froh, dass Verwaiste Eltern aus der Erfurter Selbsthilfegruppe unserer Einladung gefolgt sind.
Wir konnten die gute Netzwerkarbeit die sich schon bei einem früheren Mitteldeutschlandtreffen der Selbsthilfegruppen der Verwaisten Eltern und Geschwister in Leipzig angebahnt hat, erfolgreich fortsetzen.
So entstanden viele kreative Töpferarbeiten und herrliche Blumengestecke und gestärkt durch Thüringer Roster mit leckeren Salaten und viel selbst gebackenen Kuchen, fand ein reger Austausch über unsere Begleitung Verwaister Eltern und Geschwister statt.
Unsere Erfurter Gäste berichteten, von ihrem Projekt eines Regenbogenwaldes für ihre vorausgegangenen Kinder.
Sie erzählten, jeder gepflanzte Baum steht symbolisch für die Gemeinschaft der Eltern zu ihrem vorausgegangenen Kind.
Er steht aber auch für das Leben, die Liebe, die Kraft und das Vergehen, viele bunte Bänder die Eltern und Geschwister in die Bäume gebunden hatten symbolisieren darüber hinaus die Farben des Regenbogens, der Brücke in die Ewigkeit, den Weg zu unseren Kindern und Geschwistern. Viele gute Gespräche ergaben sich auch über unser diesjähriges Thema des Frühlingsbrunches: „Himmel und Erde, Raum und Zeit, Seelenschiffe“.
Dabei bastelten wir zu Beginn unseres Brunches, kleine Seelenboote und schrieben auf die Segel die Namen unserer Kinder, bevor wir sie in einer alten Zinkwanne schwimmen ließen.
Es war ergreifend, die Namen unserer Kinder auf weißen Segeln zu sehen und die Boote zu betrachten, wie sie sich im Kreis drehten.
Ich las in einer Zeitschrift, dass Seelenschiffe ein Symbol des Übergangs zwischen den Welten sind. „Die Verbindung zwischen dem Diesseits und dem Jenseits.
Gemacht für die Seelenreise über das Wasser, das unser Land vom unbekannten Ufer trennt.
Bis ans Ende unseres Blicks. Und weiter über den Horizont hinaus, in Gefilde die kein Lebender kennt.
Sie sind beladen mit Geschenken für die Vorausgefahrenen.
Mit allen Dingen für eine lange Reise und vielleicht mit unserer Hoffnung.“ 
Jeder hat so seine persönliche Vorstellung davon, was passiert, wenn ein Mensch die Todesschwelle überschreitet.
Folgt man aber den Vorstellungen unserer keltischen und germanischen Vorfahren, geht das nachtodliche das „eigentliche“ Leben in der Anderswelt fort und so beluden sie Schiffe mit vielen nützlichen und wertvollen Dingen für die Verstorbenen und ließen sie aufs Meer treiben, dem Horizont, der anderen Welt entgegen.
Wir haben in unserer heutigen Kultur, wenn überhaupt, leider nur noch eine geringe Vorstellungskraft über das Totenreich oder die Ewigkeit, obwohl die Sehnsucht nach dem Unvergänglichen und Unzerstörbaren tief in unserer Seele steckt.
Wenn wir unsere Toten schon nicht körperlich auf ihrer Reise von uns fort begleiten können, so sollten wir ihnen doch auch heute etwas mit geben.
Es können sein: unsere Gedanken, unsere Liebe, unsere Sehnsucht und der Wunsch uns einmal in der „anderen Welt“ wieder zu sehen.
Viel zu schnell verstrich die Zeit unseres Frühlingsbrunches und wir hätten sicherlich noch viel Gesprächstoff gehabt aber wir versprachen uns, dass dies sicherlich nicht unser letztes Treffen war und wir die fruchtbare Netzwerkarbeit gerne fortsetzen möchten, vielleicht bei einen Besuch des Erfurter „Regenbogenwaldes“.
Für die Heimfahrt nahm jeder Teilnehmer noch einen Reisesegen mit der ihm vielleicht auch durch die Reise des restlichen Jahres begleiten soll.
Wir wissen ja eine Reise ist auch immer eine Fahrt ins Ungewisse und das ist heute nicht anders als vor 1000 Jahren.
So begleiten meist gute Wünsche von Freunden oder Bekanten die Reisenden: „Gute Reise“, „Passt gut auf euch auf“ oder einfach nur „Bleibt behütet“.
Und ein Reisesegen erinnert uns daran, dass wir nicht allein sind auf unserer Reise.
Neben Gott und vielleicht unserem Glauben, sind dies auch viele liebe Freunde, die uns so annehmen wie wir jetzt sind und viele Verwaiste Eltern und Geschwister mit denen wir in Gedanken  tief verbunden sind.
Bleiben sie behütet, Holger Günther (Regionalstelle der Verwaisten Eltern Ostthüringen)

                                               Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:                                                 Niemand ist da, der mir hilft in meiner Not.

                                               Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:                                     Niemand ist da, der mir beisteht in der Trauer um mein Kind.

                                               Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:                                                          Niemand ist da, der mich erfüllt mit seinem Trost

                                               Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:                                                 Niemand ist da, der mich hält in seiner Hand.

                                                 Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:                                                         Niemand ist da, der mich begleitet                                                      auf all meinen Wegen Tag und Nacht.

                                                      Mögen deine Freunde achtgeben auf dich                                            und möge der Himmel dich so annehmen wie du bist.



Viele gute Gespräche



 

Der Trauer Gestalt geben





Gedenkfeier 2010

Unzerbrechlich die Liebe
wünschte, dass sie immer in mir bliebe.
Unzerstörbar die Hoffnung in mir,
dass mein Weg führt zu dir.
Unauslöschbar die Erinnerung die uns verbindet
und die die Brücke der Sehnsucht findet.
Mit diesen Worten aus dem Gedicht eines trauernden Vaters, begann die diesjährige Gedenkfeier für verstorbene Kinder in der Salvator Kirche zu Gera.
An die hundert Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde und interessierte Menschen nahmen  auch diesmal daran teil.
Bei Betroffenen ist durch den Tod eines Kindes vieles zerbrochen.
In einem selbst, so manche Beziehung oder auch Freundschaften.
Übrig bleiben Scherben und so war auch das Thema der Gedenkfeier mit:  „Scherben meines Lebens“ passend gewählt.
Mit dem Schreiben des Namens des vorausgegangenen Kindes auf bunte Scherben, die man in einem Mosaik einfügen konnte, zeigten Eltern, Geschwister und Angehörige ihre Liebe zu ihren Kindern.
Jeder konnte aber auch sehen, dass Risse bleiben die man nie mehr schließen kann und die man in dem neuen Leben, das man nun führen muss, nicht zu überdecken sind. 

Mit dem Entzünden einer Kerze auf dem Taufstein zeigten Eltern, Geschwister, Freunde und Angehörige ihre Beziehung zu dem vorausgegangenen Kind.
Sie gaben ihrer Seele einen Ort außerhalb ihres selbst und schufen eine sichtbare Verbindung, etwas strahlte aus ihren Inneren heraus und mit dem Lichtstrahl zu ihnen zurück.  
Wir können unsere Scherben nicht verstecken und so tun als gebe es sie nicht, indem wir aber das Thema der Gedenkfeier „ Scherben“   für uns annehmen sehen wir das Kostbare jeder einzelnen Scherbe unseres Lebens und geben ihr somit einen neuen Platz.  

An dieser Stelle vielen Dank an alle, die diese Gedenkfeier möglich gemacht haben.  
Holger Günther (Trauerbegleiter, Notfallseelsorger, Leiter Regionalstelle Verwaiste Eltern



Viele Kerzen leuchten für unsere Kinder




Sind trauernde Eltern und Geschwister nicht oft vergleichbar mit Verirrten in der Wüste, die verzweifelt Ausschau halten nach einer Oase?
Einer Oase in der man sich ausruhen und Kraft tanken kann, wo es aber auch Nahrung und Wasser gibt.
Verwaiste Eltern und Geschwister können dort Ressourcen in sich entdecken, die sie in ihrer Trauer unterstützen und ihren Körper, sowie ihrer Seele gut tun.
Vielleicht war für den Einen oder Anderen  der zweite Frühlingsbrunch der Verwaisten Eltern und Geschwister Ostthüringens, solch eine Oase. Er fand am 29. Mai auch diesmal auf dem Gelände und in den Räumen der Evang. Pfingstgemeinde Gera- Ernsee statt.
Es waren mit den verwaisten Eltern Leipziger Land sogar liebe Gäste aus Sachsen gekommen und wir konnten unseren Gedanken- und Erfahrungsaustausch aus dem Jahr 2008 fortführen als wir bei ihnen in Borna zu Gast waren und herzlich umsorgt wurden.  
Die Anreise nach Gera- Ernsee gestaltete sich für manch Einen recht abenteuerlich, da rund um den kleinen Ortsteil die Straße gebaut wird und die Navis der Autos die aufregendsten Umleitungen aufzeigten.
Aber ist das nicht auch oft auf unseren Trauerweg der Fall?
Wie oft gibt es dort Baustellen und wir müssen zurück gehen auf  unseren Weg, vielleicht eine Umleitung nehmen oder nach Wegweisern suchen, die uns helfen weiter zu gehen.
Ich glaube zu unserem Frühlingsbrunch waren wir alle, jeder für jeden, solch ein lieber und achtsamer Wegweiser, ohne zu bestimmen und ungefragt Ratschläge zu erteilen.
Es gab neben Trank und Speise für das körperliche Wohlbefinden auch viele Möglichkeiten, seiner Trauer Gestalt zu geben. Durch Töpfern, Seidenmalerei oder durch Anfertigen von Blumengestecken.
Bei sonnigem Frühlingswetter in angenehmer Umgebung und guten Gesprächen konnte man so auch seine verwundete Seele pflegen.
Mit neu aufgetankten Kraftpaketen sind dann Viele wieder in denn Alltag gestartet, der oft wenig Raum für die Trauer und Befindlichkeiten Verwaister Eltern und Geschwister lässt.
Vielen Dank allen fleißigen Helfern und danke an alle die gekommen sind und den zweiten Frühlingsbrunch wieder zu so einer angenehme Oase gemacht haben.



Der Gedenkort für unsere vorausgegangenen Kinder.
Hier konnte man ein Bild aufstellen
und einen Stein mit dem Namen des Kindes beschriften.


Gute Gespräche bei sonnigem Frühlingswetter.


Es war eine Oase für Leib und Seele
und Viele enteckten neue Ressourcen.




Verwaiste Geschwister sind oft die doppelten Verlierer
sie verlieren nicht nur ihr Geschwister sondern auch die Eltern,
so wie sie sie gekannt haben und da tut es gut,
sich mit gleichfalls Betroffenen auszutauschen.


Es ist hilfreich seiner Trauer eine Gestalt zu geben
und man konnte dies zum Frühlingsbrunch auf vielfältige Weise tun.


Das Gestalten von Blumengestecken wurde gern ausprobiert,
es entstanden wunderbare Kreationen.


Vielen Dank allen fleisigen Helfern,
die zum Gelingen des zweiten Frühlingsbrunches beitrugen.




Petras Worte bewegten die Teilnehmer der Lesung sehr. 



Im Anschluss an die Lesung gab es noch genügend Zeit für Gespräche mit Petra Hohn.




Ein Engel ist jemand,
den Gott dir ins Leben schickt,
unerwartet und unverdient,
damit er dir,
wenn es ganz dunkel ist,
ein paar Sterne anzündet. 

 „Engel, Boten des Lichts“
Unter diesem Thema trafen sich am Sonntag den 3. Advent verwaiste Eltern, Geschwister sowie Angehörige und Freunde zur diesjährigen zentralen Gedenkfeier Ostthüringens für alle verstorbenen Kinder und Geschwister in der Geraer Salvator Kirche.
Betroffene, die nach dem Tod eines Kindes oder Geschwisters in ein dunkles, tiefes Loch fallen, hoffen gerade in der Weihnachtszeit, in der viele Menschen voller Vorfreude sind auf ein Licht, das tröstet und Hoffnung auf ein Wiedersehen gibt.
Sie fragen sich, wie soll ich die Feiertage überstehen?
Wie kann ich mein Kind, meine Schwester, meinen Bruder in dieses Fest mit einbeziehen?
Und was hat Gott mit all dem zu tun, während in einem selber Schmerz, Wut und Verzweiflung herrschen?
Wie verhält es sich mit meinem Glauben in der Trauer?
Wie können mir in meiner Trauer Engel helfen?
Ich glaube, wenn wir der Liebe eine Gestalt geben so wäre diese Liebe unser Engel.
Der Glaube an Engeln ist in allen Weltreligionen verbreitet, auch im Christentum.
Engel sind überall in der Bibel gegenwärtig, wo Gottes guter Geist erscheint.
Niemand muss an Engel glauben. Sie sind einfach da. Wir spüren ihre Gegenwart.
Wer hat verwaiste Eltern und Geschwister in ihrer schweren Zeit aufgefangen, ausgehalten und wer steht immer noch an ihrer Seite? Eltern, Geschwister, Freunde, Nachbarn, liebe Mitmenschen oft auch unsichtbar, alle diese Menschen waren für uns in entscheidenden Minuten, Stunden oder Tagen unseres Lebens Engel.
Der Glaube an Engel ist durch keine objektive Wirklichkeit beweisbar, aber auch nicht zu widerlegen.
Er kommt aus der Tiefe des Herzens.              
Er ist ein Geschenk.
Er ist Gnade.
Ich bin überzeugt, dass Menschen die einen Engel gespürt und getroffen haben, eben diese Gnade erfahren haben.
Engel kommen nicht mit großen Worten. Selten erklärt ihre Gegenwart den Sinn des Leidens. Engel schenken keine heile Welt. Aber sie lassen das Licht des Heils über unserem Leben gerade in den Stunden der Einsamkeit und des Schmerzes leuchten.
Rudolf Otto Wiemer schrieb in einem Gedicht.  

            Immer, wenn ich den Engel traf,
                    blieb er unkenntlich.
            Erst im Weggehen streifte mich
                   ein Liedschlag lang
            der Zipfel seines Gewandes.
  
Im Namen der Selbsthilfegruppen Ostthüringen`s möchte ich der Seelsorgerin des SRH Klinikums Frau Mikosch und dem Pfarrer der Salvator Kirche Herrn Dr. Hiddemann sowie denen, die bei der Ausgestaltung der Gedenkfeier mit geholfen haben, herzlich danken.
Ich wünsche Allen, dass sie auf ihren Wegen immer einen Engel an ihrer Seite haben.  



Gedenkfeier 2009 in Loitzschütz

Altar mit Bilder unserer vorausgegangenen Kinder



Die Selbsthilfegruppen der Verwaisten Eltern und Geschwister Ostthüringen veranstalteten am 16. Mai 2009 unter dem Dach der Pfingstgemeinde in Gera Ernsee einen Frühlingsbrunch für betroffene Eltern und Geschwister. Bei schönem Wetter entstanden unter Anleitung einer Töpferin kleine Kunstwerke aus Ton. Ebenfalls konnten Schalen bepflanzt werden als Frühlingsgaben für unsere von uns gegangenen Kinder. Es entstanden bei gutem Essen vielfältige Gespräche, um Gedanken auszutauschen und Verständnis zu erfahren. Das Gefühl, mit der Sehnsucht um das verstorbene Kind nicht allein zu sein, hilft die Trauer aus- und zu durchleben. Dieses Miteinander war ein weiterer Schritt in Richtung Leben und macht es ein wenig erträglicher. Wir danken Pastor Thomas Köhler für die Bereitstellung der Räume und für die guten Gespräche.

Seelenvögel fanden ihren Platz zwischen Himmel und Erde.


Viele Bücher lagen als Information für den schweren Weg der Trauer bereit.


Wir verarbeiteten unsere Trauer mit Ton. Es entstanden viele kleine Kunstwerke.


Gedenkfeier 2008 am 3. Advent      "Und immer leuchte Dir ein Stern" 


Weihnachten, das Fest der Liebe, der Freude. Bei vielen Menschen verbunden mit fröhlichem Feiern in der Familie und Geschenken, begleitet von strahlenden Kinderaugen.

Das fällt manchen Menschen schwer, besonders denen, die ein Kind durch Tod verloren haben. Weihnachten feiern bedeutet für sie, den Verlust wieder einmal besonders intensiv zu spüren. Jemand, der mitfeiern sollte, ist nicht mehr da. Die Gefühle von Schmerz und Trauer sind mit dabei, wenn Kerzen angezündet werden, wenn Lieder gesungen werden, wenn Musik gehört wird,…

 

33 Sterne mit 33 Namen hingen am 14. Dezember zum Weltgedenktag an alle verstorbenen Kinder, über dem Altar in der Salvatorkirche. Dieses Jahr stand die Gedenkfeier unter dem Thema: "Und immer leuchte Dir ein Stern".

Weit über 50 betroffene Eltern, Geschwister und Angehörige von Kindern die viel zu früh aus dem Leben gehen mussten, trafen sich um gemeinsam ihren vorausgegangenen Kindern zu gedenken. Dabei wurden zahlreiche Musikstücke und Lieder gespielt sowie tröstende Texte gelesen. Es wurden Kerzen angezündet und die Namen jedes einzelnen Kindes verlesen.

Man spürte, das gegenseitige Verstehen und Auffangen trägt durch diese schwere Zeit.

Die Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern Ostthüringen“ bedankt sich bei allen, die hilfreich zur Ausgestaltung der Gedenkfeier beigetragen haben. 

 




    



Still geboren

Seit Dezember 2007 gibt es in Gera auf dem Untermhäuser Friedhof die Möglichkeit ungeborenes Leben beizusetzen. Wir danken der Seelsorgerin des SRH Krankenhauses in Gera und dem Bestattungsunternehmen GBG Bestattungen für ihre Bemühungen.

Die Liebe bleibt aus ihr das zarte Pflänzchen Erinnerung treibt. Kann ich dich auch nicht berühren, so kann ich dich doch bei mir spüren. In meinen Träumen werde ich dich begleiten, dort können wir Raum und Zeit durchschreiten. Ich werde dich stets suchen und auch finden, denn die Sehnsucht wird uns immer verbinden. Zeigst du dich als der Sonne Strahlen oder als Schmetterling, viel zu schön zum Malen? Bist du die Grille in der Nacht oder ein blinkender Stern? Wie bist du mir manchmal so nah und doch so fern. Werden sich unsere Seelen finden in der Weite, später auf der anderen Seite? Die Liebe bleibt, sie ist stärker als die Unendlichkeit. (Holger Günther)              


Auf den Steinen um die Säule besteht die Möglichkeit, die Namen der beigesetzten Kinder einzugravieren.

Unser Kind hat die Erde verlassen, wir können es immer noch nicht fassen. Werden wir es je verstehen und uns einmal wieder sehen? Unvorstellbar ist dieses furchtbare Leid. Man ist verwundet bis in alle Ewigkeit. Nicht alle Wunden heilt die Zeit, eine Narbe stets davon übrig bleibt. Nur liebe Menschen, die nah uns jetzt sind, verstehen die Trauer um unser geliebtes Kind.  (Holger Günther)