Irgend wann las ich in einem Bericht einer Zeitung die
Worte: „Wer trösten will, braucht die Erfahrung, selbst einmal getröstet worden
zu sein, sei es durch lebendige Worte, in den Armen eines anderen, sei es durch
einfühlsame Briefe und im Gebet.“
Ja, Trost braucht gegenseitig mittragende Zeugen. Wenn einer
dem anderen zuhört, seine eigene Angst und Ohnmacht aushält und zulässt.
Wer versucht zu trösten, sollte auch Zuversicht vermitteln und klar ausdrücken: “ Ich
gehe an deiner Seite und halte dich.“
Gerade der Verlust eines Kindes erfasst den ganzen Menschen
in unerwarteten Dimensionen. Der riesige Schmerz und die Last der Trauer
dringen intensiv in die Seelentiefe ein.
Klagen, Schreien und Weinen aber auch Einsamkeit, Not sowie
Stille und innere Leere begleiten verwaiste Eltern und Geschwister in ihrer
Trauer.
In den Gruppen der Selbsthilfeinitiative der Verwaisten
Eltern und Geschwister können Betroffene über ihre Gefühle sprechen und sich
austauschen, aber sie dürfen auch ihre Gefühle offen zeigen, ohne dass sie
bewertet und für schwach gehalten werden. Gruppentreffen sind keine trostlosen
Zusammenkommen, sondern tröstliche Zeiten von Erinnerungen und Zuversicht,
sowie Schritte in ein neues Leben.
.
Sind trauernde Eltern und Geschwister nicht oft vergleichbar
mit Verirrten in der Wüste, die verzweifelt Ausschau halten nach einer Oase?
Einer Oase in der man sich ausruhen und Kraft tanken kann, wo es aber auch
Nahrung und Wasser gibt.
Verwaiste Eltern und Geschwister können dort Ressourcen in
sich entdecken, die sie in ihrer Trauer unterstützen und ihren Körper, sowie
ihrer Seele gut tun.
Vielleicht war für den Einen oder Anderen der zweite Frühlingsbrunch der Verwaisten
Eltern und Geschwister Ostthüringens, solch eine Oase.
Er fand am 29. Mai auch diesmal auf dem Gelände und in den
Räumen der Evang. Pfingstgemeinde Gera- Ernsee statt.
Es waren mit den verwaisten Eltern Leipziger Land sogar
liebe Gäste aus Sachsen gekommen und wir konnten unseren Gedanken- und
Erfahrungsaustausch aus dem Jahr 2008 fortführen als wir bei ihnen in Borna zu
Gast waren und herzlich umsorgt wurden.
Die Anreise nach Gera- Ernsee gestaltete sich für manch
Einen recht abenteuerlich, da rund um den kleinen Ortsteil die Straße gebaut
wird und die Navis der Autos die aufregendsten Umleitungen aufzeigten.
Aber ist das nicht auch oft auf unseren Trauerweg der Fall?
Wie oft gibt es dort Baustellen und wir müssen zurück gehen auf unseren Weg, vielleicht eine Umleitung nehmen
oder nach Wegweisern suchen, die uns helfen weiter zu gehen.
Ich glaube zu unserem Frühlingsbrunch waren wir alle, jeder
für jeden, solch ein lieber und achtsamer Wegweiser, ohne zu bestimmen und
ungefragt Ratschläge zu erteilen.
Es gab neben Trank und Speise für das körperliche
Wohlbefinden auch viele Möglichkeiten, seiner Trauer Gestalt zu geben.
Durch Töpfern, Seidenmalerei oder durch Anfertigen von
Blumengestecken.
Bei sonnigem Frühlingswetter in angenehmer Umgebung und
guten Gesprächen konnte man so auch seine verwundete Seele pflegen.
Mit neu aufgetankten Kraftpaketen sind dann Viele wieder in
denn Alltag gestartet, der oft wenig Raum für die Trauer und Befindlichkeiten
Verwaister Eltern und Geschwister lässt. Vielen Dank allen fleißigen Helfern
und danke an alle die gekommen sind und den zweiten Frühlingsbrunch wieder zu
so einer angenehme Oase gemacht haben.
Der Gedenkort für unsere vorausgegangenen Kinder. Hier konnte man ein Bild aufstellen und einen Stein mit dem Namen des Kindes beschriften.
Gute Gespräche bei sonnigem Frühlingswetter.
Es war eine Oase für Leib und Seele und Viele enteckten neue Ressourcen.
Auch die Männer konnten sich austauschen.
Verwaiste Geschwister sind oft die doppelten Verlierer sie verlieren nicht nur ihr Geschwister sondern auch die Eltern, so wie sie sie gekannt haben und da tut es gut, sich mit gleichfalls Betroffenen auszutauschen.
Es ist hilfreich seiner Trauer eine Gestalt zu geben und man konnte dies zum Frühlingsbrunch auf vielfältige Weise tun.
Das Gestalten von Blumengestecken wurde gern ausprobiert, es entstanden wunderbare Kreationen.
Vielen Dank allen fleisigen Helfern, die zum Gelingen des zweiten Frühlingsbrunches beitrugen.
Petras Worte bewegten die Teilnehmer der Lesung sehr.
Im Anschluss an die Lesung gab es noch genügend Zeit für Gespräche mit Petra Hohn.
Ein
Engel ist jemand,
den
Gott dir ins Leben schickt,
unerwartet
und unverdient,
damit
er dir,
wenn
es ganz dunkel ist,
ein
paar Sterne anzündet.
„Engel,
Boten des Lichts“
Unter
diesem Thema trafen sich am Sonntag den 3. Advent verwaiste Eltern, Geschwister
sowie Angehörige und Freunde zur diesjährigen zentralen Gedenkfeier
Ostthüringens für alle verstorbenen Kinder und Geschwister in der Geraer
Salvator Kirche.
Betroffene,
die nach dem Tod eines Kindes oder Geschwisters in ein dunkles, tiefes Loch
fallen, hoffen gerade in der Weihnachtszeit, in der viele Menschen voller
Vorfreude sind auf ein Licht, das tröstet und Hoffnung auf ein Wiedersehen
gibt. Sie fragen sich, wie soll ich die Feiertage überstehen? Wie kann ich mein
Kind, meine Schwester, meinen Bruder in dieses Fest mit einbeziehen? Und was
hat Gott mit all dem zu tun, während in einem selber Schmerz, Wut und
Verzweiflung herrschen? Wie verhält es sich mit meinem Glauben in der Trauer?
Wie können mir in meiner Trauer Engel helfen?
Ich
glaube, wenn wir der Liebe eine Gestalt geben so wäre diese Liebe unser Engel.
Der Glaube an Engeln ist in allen Weltreligionen verbreitet, auch im
Christentum. Engel sind überall in der Bibel gegenwärtig, wo Gottes guter Geist
erscheint.
Niemand
muss an Engel glauben. Sie sind einfach da.
Wir
spüren ihre Gegenwart.
Wer
hat verwaiste Eltern und Geschwister in ihrer schweren Zeit aufgefangen,
ausgehalten und wer steht immer noch an ihrer Seite?
Eltern,
Geschwister, Freunde, Nachbarn, liebe Mitmenschen oft auch unsichtbar, alle
diese Menschen waren für uns in entscheidenden Minuten, Stunden oder Tagen
unseres Lebens Engel. Der Glaube an Engel ist durch keine objektive
Wirklichkeit beweisbar, aber auch nicht zu widerlegen. Er kommt aus der Tiefe
des Herzens. Er ist ein
Geschenk. Er ist Gnade.
Ich
bin überzeugt, dass Menschen die einen Engel gespürt und getroffen haben, eben
diese Gnade erfahren haben. Engel kommen nicht mit großen Worten. Selten
erklärt ihre Gegenwart den Sinn des Leidens. Engel schenken keine heile Welt.
Aber sie lassen das Licht des Heils über unserem Leben gerade in den Stunden
der Einsamkeit und des Schmerzes leuchten.
Rudolf
Otto Wiemer schrieb in einem Gedicht.
Immer,
wenn ich den Engel traf,
blieb
er unkenntlich.
Erst
im Weggehen streifte mich ein Liedschlag lang
der
Zipfel seines Gewandes.
Im
Namen der Selbsthilfegruppen Ostthüringen`s möchte ich der Seelsorgerin des SRH
Klinikums Frau Mikosch und dem Pfarrer der Salvator Kirche Herrn Dr. Hiddemann
sowie denen, die bei der Ausgestaltung der Gedenkfeier mit geholfen haben,
herzlich danken.
Ich
wünsche Allen, dass sie auf ihren Wegen immer einen Engel an ihrer Seite haben.
Gedenkfeier 2009 in Loitzschütz
Altar mit Bilder unserer vorausgegangenen Kinder
Die Selbsthilfegruppen der Verwaisten Eltern und Geschwister Ostthüringen veranstalteten am 16. Mai 2009 unter dem Dach der Pfingstgemeinde in Gera Ernsee einen Frühlingsbrunch für betroffene Eltern und Geschwister. Bei schönem Wetter entstanden unter Anleitung einer Töpferin kleine Kunstwerke aus Ton. Ebenfalls konnten Schalen bepflanzt werden als Frühlingsgaben für unsere von uns gegangenen Kinder. Es entstanden bei gutem Essen vielfältige Gespräche, um Gedanken auszutauschen und Verständnis zu erfahren. Das Gefühl, mit der Sehnsucht um das verstorbene Kind nicht allein zu sein, hilft die Trauer aus- und zu durchleben. Dieses Miteinander war ein weiterer Schritt in Richtung Leben und macht es ein wenig erträglicher. Wir danken Pastor Thomas Köhler für die Bereitstellung der Räume und für die guten Gespräche.
Seelenvögel fanden ihren Platz zwischen Himmel und Erde.
Viele Bücher lagen als Information für den schweren Weg der Trauer bereit.
Wir verarbeiteten unsere Trauer mit Ton. Es entstanden viele kleine Kunstwerke.
Gedenkfeier 2008 am 3. Advent "Und immer leuchte Dir ein Stern"
Weihnachten, das Fest der Liebe, der Freude. Bei vielen Menschen verbunden mit fröhlichem Feiern in der Familie und Geschenken, begleitet von strahlenden Kinderaugen.
Das fällt manchen Menschen schwer, besonders denen, die ein Kind durch Tod verloren haben. Weihnachten feiern bedeutet für sie, den Verlust wieder einmal besonders intensiv zu spüren. Jemand, der mitfeiern sollte, ist nicht mehr da. Die Gefühle von Schmerz und Trauer sind mit dabei, wenn Kerzen angezündet werden, wenn Lieder gesungen werden, wenn Musik gehört wird,…
33 Sterne mit 33 Namen hingen am 14. Dezember zum Weltgedenktag an alle verstorbenen Kinder, über dem Altar in der Salvatorkirche. Dieses Jahr stand die Gedenkfeier unter dem Thema: "Und immer leuchte Dir ein Stern".
Weit über 50 betroffene Eltern, Geschwister und Angehörige von Kindern die viel zu früh aus dem Leben gehen mussten, trafen sich um gemeinsam ihren vorausgegangenen Kindern zu gedenken. Dabei wurden zahlreiche Musikstücke und Lieder gespielt sowie tröstende Texte gelesen. Es wurden Kerzen angezündet und die Namen jedes einzelnen Kindes verlesen.
Man spürte, das gegenseitige Verstehen und Auffangen trägt durch diese schwere Zeit.
Die Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern Ostthüringen“ bedankt sich bei allen, die hilfreich zur Ausgestaltung der Gedenkfeier beigetragen haben.
Still geboren
Seit Dezember 2007 gibt es in Gera auf dem Untermhäuser Friedhof die Möglichkeit ungeborenes Leben beizusetzen. Wir danken der Seelsorgerin des SRH Krankenhauses in Gera und dem Bestattungsunternehmen GBG Bestattungen für ihre Bemühungen.
Die Liebe bleibt aus ihr das zarte Pflänzchen Erinnerung treibt. Kann ich dich auch nicht berühren, so kann ich dich doch bei mir spüren. In meinen Träumen werde ich dich begleiten, dort können wir Raum und Zeit durchschreiten. Ich werde dich stets suchen und auch finden, denn die Sehnsucht wird uns immer verbinden. Zeigst du dich als der Sonne Strahlen oder als Schmetterling, viel zu schön zum Malen? Bist du die Grille in der Nacht oder ein blinkender Stern? Wie bist du mir manchmal so nah und doch so fern. Werden sich unsere Seelen finden in der Weite, später auf der anderen Seite? Die Liebe bleibt, sie ist stärker als die Unendlichkeit. (Holger Günther)
Auf den Steinen um die Säule besteht die Möglichkeit, die Namen der beigesetzten Kinder einzugravieren.
Unser Kind hat die Erde verlassen, wir können es immer noch nicht fassen. Werden wir es je verstehen und uns einmal wieder sehen? Unvorstellbar ist dieses furchtbare Leid. Man ist verwundet bis in alle Ewigkeit. Nicht alle Wunden heilt die Zeit, eine Narbe stets davon übrig bleibt. Nur liebe Menschen, die nah uns jetzt sind, verstehen die Trauer um unser geliebtes Kind. (Holger Günther)